Nagetierbekämpfung in der Logistik: Schutz von Versandlagern vor Befall im Spätwinter

Wichtige Erkenntnisse für Lagerleiter

  • Vulnerabilität im Spätwinter: In den Monaten Februar und März sind Nagetiere am dringendsten auf Futter und Unterschlupf angewiesen, was Lagerhäuser zu Primärzielen macht.
  • Artenbestimmung: Das Verständnis des Unterschieds zwischen Rattus norvegicus (Wanderratte) und Mus musculus (Hausmaus) ist für eine effektive Bekämpfung entscheidend.
  • Fokus auf IPM: Eine erfolgreiche Kontrolle stützt sich auf Integriertes Schädlingsmanagement (IPM), das Prävention und Hygiene gegenüber reaktiver Köderauslegung priorisiert.
  • Sicherheit an der Laderampe: Laderampen sind die Haupteintrittspforten; Bürstendichtungen und Überladebrücken müssen gewartet werden.
  • Einhaltung von Vorschriften: Nagetieraktivität kann zu gescheiterten Audits, Auslieferungsstopps und massiven finanziellen Verlusten führen.

In meinen 20 Jahren als zertifizierter Schädlingsbekämpfer habe ich erlebt, wie der Spätwinter selbst die ausgeklügeltsten Logistikbetriebe an ihre Grenzen bringt. Während viele Manager davon ausgehen, dass die „Schädlingssaison“ im Frühjahr beginnt, ist die Realität der „Februar-Engpass“: Wenn die Nahrungsquellen im Freien erschöpft sind und die Temperaturen lebensbedrohlich bleiben, dringen Nagetiere massiv in Gebäude ein. Ein einziges Mäusepaar kann innerhalb weniger Tage Waren im Wert von Tausenden von Euro kontaminieren – nicht nur durch Fraßschäden, sondern durch die Übertragung von Krankheitserregern sowie das ständige Abgeben von Haaren und Urin.

Die Bedrohung im Spätwinter: Warum Logistikstandorte Ziele sind

Versandlager und Logistik-Hubs bieten drei Dinge, nach denen sich Nagetiere am Ende des harten Winters sehnen: stabile Temperaturen, Nistmaterial (Kartonagen und Stretchfolie) und relative Abgeschiedenheit. Im Gegensatz zu Befällen in Wohngebäuden ist ein Befall im Lager ein geschäftlicher Notfall. In der Logistikbranche sind Nagetiere mehr als nur ein Ärgernis; sie sind eine Bedrohung für die Integrität der gesamten Lieferkette.

Als Experte auf diesem Gebiet erkläre ich meinen Kunden oft, dass Nagetiere „kommensal“ sind – was wörtlich bedeutet, dass sie „unseren Tisch teilen“. In einem Lager besteht dieser „Tisch“ aus verschüttetem Getreide, Tierfutterpaletten oder sogar den organischen Klebstoffen, die in Verpackungen verwendet werden. Im Spätwinter steigt der Druck, in Ihre Anlage einzudringen, um das Zehnfache, da die Umgebung zu einer gefrorenen Wüste wird.

Die Übeltäter identifizieren: Biologie und Verhalten

Eine effektive Bekämpfung beginnt mit der richtigen Identifizierung. In 20 Jahren Praxiserfahrung habe ich festgestellt, dass viele Betriebe ihre Invasoren falsch identifizieren, was zum Einsatz falscher Ausrüstung führt. Die beiden Hauptbedrohungen im Logistiksektor sind:

1. Die Wanderratte (Rattus norvegicus)

Diese Ratten sind Erdbewohner und bevorzugen das Bodenniveau oder Unterbodenbereiche. In Lagerhäusern finde ich sie meist nistend unter Paletten oder in den Hohlräumen von Überladebrücken an der Laderampe. Sie zeigen ein Verhalten, das als Neophobie bezeichnet wird – eine tiefsitzende Angst vor neuen Objekten. Das bedeutet, wenn Sie heute eine Falle aufstellen, wird eine Wanderratte diese möglicherweise mehrere Tage lang meiden, bis sie Teil der „akzeptierten“ Umgebung geworden ist.

2. Die Hausmaus (Mus musculus)

Mäuse sind kleiner, agiler und weita mehr neugierig als Ratten. Im Gegensatz zu Ratten sind sie neophil, das heißt, sie untersuchen eine neue Falle oft sofort. Aufgrund ihrer Größe können sie jedoch durch Lücken eindringen, die gerade einmal 6 mm breit sind (etwa die Breite eines Bleistifts). In einer 10.000 Quadratmeter großen Anlage kann eine Maus unbemerkt bleiben, während sie in Hochregalen oder Schaltschränken nistet.

Die professionelle IPM-Strategie für Lagerhäuser

Integriertes Schädlingsmanagement (IPM) ist der Goldstandard in der gewerblichen Schädlingsbekämpfung. Es ist ein proaktiver, datengestützter Ansatz, der auf langfristige Prävention setzt. In meiner beruflichen Praxis unterteile ich das Lager-IPM in vier Säulen: Hygiene, baulicher Ausschluss, Monitoring und gezielte Behandlung.

Hygiene: Das „Warum“ eliminieren

Nagetiere bleiben nicht dort, wo sie nichts zu fressen finden. In einer Versandumgebung ist die Hygiene oft die am schwierigsten aufrechtzuerhaltende Säule. Ich empfehle die folgenden professionellen Schritte:

  • Die 45-cm-Regel: Markieren Sie einen 45 cm (18 Zoll) breiten weißen „Inspektionsstreifen“ auf dem Boden entlang des Innenperimeters des Lagers. Keine Paletten oder Geräte dürfen diese Linie jemals überschreiten. Dadurch werden Kot und Schmierspuren sofort sichtbar.
  • Palettenmanagement: Stellen Sie sicher, dass Paletten häufig rotiert werden. Nagetiere lieben „tote“ Bestände – Inventar, das monatlich steht, ohne bewegt zu werden.
  • Wartung von Müllpressen: Abfallpressen sollten auf Betonfundamenten stehen und wöchentlich gereinigt werden, um die Ansammlung von organischen Flüssigkeiten zu verhindern, die Nagetiere über weite Strecken anlocken.

Baulicher Ausschluss: Die Anlage abhärten

Ausschluss bedeutet, den Zugang physisch zu versperren. Meiner Erfahrung nach ist die Laderampe fast immer das schwächste Glied. Ein Standard-Sektionaltor hat oft Lücken an den Ecken, wo die Dichtung verschlissen ist.

  • Bürstendichtungen: Installieren Sie hochbelastbare Bürstendichtungen mit Metallrücken an allen Toren. Im Gegensatz zu Gummi oder Vinyl finden Nagetiere es schwierig und schmerzhaft, die steifen Borsten zu durchbeißen.
  • Dehnungsfugen: Verwenden Sie professionelle Edelstahlwolle gemischt mit Dichtmasse, um Dehnungsfugen und Leitungsdurchführungen abzudichten. Nagetiere können das Metallgewebe nicht durchnagen, ohne ihre Zähne zu beschädigen.
  • Überladebrücken: Die Gruben unter den Überladebrücken sind „Autobahnen für Nagetiere“. Installieren Sie Torabdichtungen und Wetterschutzhauben, um die Lücken in der Parkposition zu schließen.

Monitoring und professionelle Identifizierung

Beim Monitoring geht es nicht nur darum, Schädlinge zu fangen, sondern Informationen zu sammeln. In einem professionellen Logistik-Setup verwenden wir ein Raster aus Mehrfangfallen und elektronischen Sensoren. Anhand der Fangorte können wir die Bewegungen der Nagetiere kartieren. Wenn Sie auch mit holzzerstörenden Schädlingen zu kämpfen haben, sollten Sie unseren Experten-Ratgeber zu Termiten lesen, da die statische Integrität oft durch mehrere Schädlinge gleichzeitig gefährdet wird.

Schmierspuren und Talg: Die Laufwege verfolgen

Eines der zuverlässigsten Anzeichen für einen langfristigen Befall sind „Schmierspuren“. Nagetiere sehen schlecht und verlassen sich bei der Navigation auf ihre Tasthaare und ihren Tastsinn. Sie laufen bevorzugt an Wänden entlang, und mit der Zeit hinterlassen die Öle und der Schmutz in ihrem Fell (Talg) einen dunklen, fettigen Fleck an der Wand oder am Hochregal. In meinen 20 Jahren im Außendienst ist das Finden einer frischen Schmierspur der schnellste Weg, um ein Nest zu lokalisieren. Wenn der Fleck weich ist und beim Berühren verschmiert (bitte Handschuhe tragen!), ist die Aktivität aktuell.

Behandlung: Professionelle Köder und Fallen

In einem gewerblichen Lagerhaus, insbesondere bei der Handhabung von Lebensmitteln, Pharmazeutika oder sensibler Elektronik, ist der Einsatz von Rodentiziden (Giften) streng reguliert. Ich rate generell von DIY-Methoden in diesen Umgebungen ab, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Sekundärvergiftung: Ein vergiftetes Nagetier kann innerhalb einer Palette mit ausgehenden Waren sterben, was zu einem katastrophalen Qualitätskontrollfehler beim Kunden führt.
  • Audit-Risiken: Die meisten großen Einzelhändler fordern die Einhaltung von Standards wie IFS, BRC oder AIB, die den Einsatz von losem Köder im Inneren der Anlage oft untersagen.
  • Geruchsprobleme: Eine tote Ratte, die in einer Wand oder unter schweren Regalen verwest, kann einen Geruch erzeugen, der wochenlang anhält und die Gesundheit sowie die Arbeitsmoral der Mitarbeiter beeinträchtigt.

Profis verwenden zugriffsgeschützte Köderstationen, die am Außenperimeter gesichert sind. Im Inneren der Anlage verlassen wir uns primär auf mechanische Fallen (Schlagfallen und Mehrfangfallen), die geschützt entlang des Inspektionsstreifens platziert werden.

Wann Sie einen Profi rufen sollten

Ein paar Sichtungen mögen harmlos erscheinen, aber in der Logistikwelt ist das, was man sieht, oft nur die Spitze des Eisbergs. Sie sollten sofort einen professionellen Partner hinzuziehen, wenn:

  • Sie Nistmaterial (zerkautes Kartonmaterial, Plastik) in den Regalen finden.
  • Sie Aktivität am Tag beobachten. Nagetiere sind nachtaktiv; eine Sichtung bei Tageslicht deutet meist auf eine hohe Populationsdichte hin.
  • Sie sich auf ein Audit durch Dritte (IFS, BRC, AIB) vorbereiten.
  • Lagerbestände Anzeichen von Fraßschäden aufweisen (kleine Löcher in Säcken oder Kartons).

Für speziellere Beratung zum Facility Management finden Sie auch unseren Leitfaden für Manager für Befall im Spätwinter nützlich, um die Koordination mit Ihren Wartungsteams zu verbessern.

Abschließende Gedanken zum Schutz von Lagerhäusern

Nagetierbekämpfung in der Logistik ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Zustand ständiger Bereitschaft. Indem Sie sich auf den „Februar-Engpass“ konzentrieren und Ihre Anlage abhärten, bevor der Druck im Spätwinter seinen Höhepunkt erreicht, schützen Sie Ihren Bestand, Ihren Ruf und Ihr Ergebnis. Auch wenn sich die Risiken mit dem herannahenden Frühjahr verschieben, bleiben die Prinzipien des Integrierten Schädlingsmanagements Ihre beste Verteidigung. Bleiben Sie wachsam, warten Sie Ihre Barrieren und unterschätzen Sie niemals die Beharrlichkeit eines hungrigen Nagetiers in der Kälte.